Der Bundespräsident

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I. T. Z.

Nachhaltigkeit lernen

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Kultur und Austausch

Kultur verbindet - ist Gemeinsamkeit - ist Austausch. Wir sprechen miteinander, Essen und Trinken zusammen, und tauschen aus: Geschichten, Lebenserfahrungen, Handelsgüter, Bildung und Wissen. Erst wenn wir voneinander soviel wissen, daß Vertrauen entstanden ist, fragen wir um Rat, bitten um Hilfe oder bieten Unsterstützung an. Dazu müssen beide Partner bereit sein und aneinander interessiert.



"Die Sichtweise des jeweils Anderen zu kennen und anzuerkennen, ist eine wichtige Voraussetzung, um Misstrauen und Vorurteile abzubauen."
Bundespräsident Horst Köhler

Künstler aus Afrika (Schauspieler, Musiker, Tänzer), die in unserer Gesellschaft zur Randgruppe zählen, werden im Haus der Berliner Festspiele einen großen Theaterabend gestalten. In Berlin fand im Jahre 1884/85 die Konferenz statt, die Afrika willkürlich teilte und zu der heutigen Situation von Lampedusa führte. Aus dem London der Renaissance ist uns durch Shakespeares STURM eine erste europäische Sicht auf das Fremde, das Andere, das Unterdrückte überliefert.

Afrika im Sturm steht für INDIVIDUALITÄT und INTEGRATION, BEGEGNUNG und AUSTAUSCH. Ein Theaterereignis mit Schauspielern, Tänzern und Sängern aus allen Ländern Afrikas. Europäische Theatertradition trifft auf afrikanische Theaterformen und -traditionen.

Am 2. Mai 2007: Ein Abend mit Bartholomäus Grill

„Ach Afrika“, das klingt wie ein Stoßseufzer. So lautet der neue Buchtitel eines der profundesten Afrika-Kenner.

In der dicht gefüllten „Schmiede“ des OSZ-Hans-Böckler-Schule liest Bartholomäus Grill, bekannter ZEIT-Autor und Afrika-Experte, aus seinem Buch "Ach Afrika", diskutiert und beantwortet Fragen.

Die Zuhörer bekommen einen Kontinent der Widersprüche vorgestellt, der geprägt ist von einer reichen Vorstellungskraft seiner Menschen, sehr unterschiedlichen sozialen Systemen, Regeln und Ritualen, ihrer Träume und Tabus, ihrer Machtstrukturen und Glaubenssysteme.

...
Bartholomäus Grill beschreibt einen Kontinent, der sich bis heute mit Widersprüchen zwischen Tradition und angestrebter Moderne quält.

Der Autor verweist auch auf die tiefgreifenden Folgen des Sklavenhandels und der Kolonialherrschaft, aber auch auf die heute oft bemühten Verschwörungstheorien, die alle Schuld der gegenwärtigen Entwicklung den ehemaligen Kolonialmächten zuspricht.Die Hauptverantwortung für die gesunde Entwicklung Afrikas, so Grill, liegt bei den heute verantwortlichen Afrikanern selbst. Despotische Präsidenten und plündernde Eliten haben den Kontinent in die Misere gebracht, und nur die Afrikaner selbst können sich aus dieser Lage befreien.

"Ach Afrika"…trotz der oft schmerzlichen Betrachtung eine Liebeserklärung an einen wunderbaren Kontinent.


Tagebuch der Reise nach Sierra Leone

vom 5. bis 24. November 2007

 


Montag, 05.11.2007
Die Berliner Reisegruppe - fünf Jugendliche und vier Senioren von YOOW - startet um 06:00h von Berlin-Schönefeld über London/Gatwick und Monrovia (Liberia) nach Lungi (Freetown). Ankunft 21:45h. Es herrscht eine fast unerträgliche Hitze und Luftfeuchtigkeit. Die Einreiseformalitäten sind äußerst aufwändig.
Mit einem kleinen Mercedes-Bus im Dunklen auf schlechter Wegstrecke geht es runter ans Meer zum Hovercraft. Erster Eindruck von den Straßenverhältnissen. Ablegen um 23:55h und um 0:45h Landung in Aberdeen (Freetown). Die Ankömmlinge werden von den YOOW-Kooperationspartnern Melvin Kamara und Bischof Simbo empfangen. Mit dem Geländewagen geht es zum Hill Valley Hotel in Congo Town, einem Stadtteil von Freetown. Eine abenteuerliche Fahrt mit Warnblinkanlage im Dunkeln, um den Kontakt untereinander nicht zu verlieren. Der lange Tag endet um 2:45h.

Dienstag, 6.11.2007
Erst Geld tauschen, dann Kontaktaufnahme mit Martin Brehm vom THW und schließlich eine Strandwanderung zur Orientierung. Dann Einkauf von Riesenmengen an Getränken.
Mohammed Salia stellt sein Mikro-Kredit-Programm und die Planung für ein Internetcafé vor. Die YOOW-Leute wollen das evtl. am Sonnabend mit ihm und Freunden diskutieren. Es kommen Sturm und Regen auf.

Mittwoch, 7.11.2007
Aufbruch in zwei Gruppen: die eine mit Bischof Simbo zu Finic II, einer der Werkstätten von Melvin Kamara, die andere fährt zum Hafen, um den vorausgeschickten YOOW-Container in Empfang zu nehmen. Danach Besichtigung von Finic I. Dort wohnt auch die Familie von Melvin, die die Gäste aus Berlin begrüßt.
Aus dem Hafen wird gemeldet, daß aus dem Container schon einige Sachen unsachgemäß ausgeladen worden sind. Beim Auto war eine Scheibe kaputt. Zum Glück war die Batterie nicht eingebaut, so konnte auch niemand das Auto herausfahren. Die meiste Arbeit verursachte das Verhandeln, Stempel holen, Bezahlen und Warten. Endlich kommt der Bischoff mit der Hafengruppe zurück, und irgendwann dann auch der LKW mit den Sachen. Die Finic-Azubis helfen beim Ausladen des LKWs und gemeinsam werden die Sachen in die Werkhalle geschafft. Der Kleinbus ist (ohne Zulassung) inzwischen auch angekommen und kommt ebenfalls in die Halle.
Dann mit Mr. Simbo und Mr. Paul, dem Ausbilder bei Finic, zurück ins Hotel. Die Fahrt im Dunkeln durch das Stadtzentrum gestaltete sich für Mitteleuropäer recht abenteuerlich: Über eine Stunde Stop and Go und Abgasgestank. Die YOOW-Leute laden die Finic-Mannschaft noch auf einen Drink ein, bevor sie dann heimfahren. Ein langer Tag heute, Aktion bis 22:50h.

Donnerstag,8.11.2007
9:00h. Bischoff Simbo und Suleiman, der Stadtführer, sind da. Eine Gruppe fährt mit B. Simbo, eine zweite geht mit Suleiman zu Fuß und per Poda-Poda, mit zu Minibussen umfunktionierten Kleintransportern für bis zu zwölf Fahrgästen, in die Stadt: Museum, Post, dann Big Market (Kunstmarkt). Anschließend per Poda-Poda nach Aberdeen an den Strand. Kurz die Füße ins Wasser halten und dann wieder mit dem Poda-Poda zurück zum Congo-Cross und zu Fuß ins Hotel. Kurze Verständigung mit der anderen Gruppe per Handy. Da die Einen nach dem Besuch bei Finic noch in ein Internet-Café wollen, machen die Anderen Pause und erledigen die Post. Abends kommt Mohammed Salia (Mikrokredite).

Freitag,9.11.2007
Nach dem Frühstück zum Congo Cross, von dort in die Stadt. Post, Big Market und Museum. Dann zur UN-Station. Auf dem Rückweg werden wieder massenhaft Getränke gekauft. Im Hotel um 15:45h.
Kurze Lagebesprechung. Gegen Abend holt Martin Brehm die YOOW-Leute zum Sporting-Club in Aberdeen ab. Freitags ist dort Treffen aller Deutsche. Es ist teuer, aber gut. Um 1:00h sind alle im Bett.

Sonnabend, 10.11.2007
Nach dem Frühstück gehen vier Mann mit Mohammed Salia zur Methodist Church. Dort wird mit einer größeren Gruppe (Studenten und MikrokreditnehmerInnen) über deren Ziele und Erwartungen  zu ihrem Mikrokredit-Projekt diskutiert.
Die Anderen werden von Mr. Kamara mit dem von YOOW gespendeten Minibus abgeholt und fahren erst zu Finic I, dann zu Finic II und bringen einige der von YOOW gelieferten PCs zu den Studenten. Als Tagesabschluß erfolgt auf der Hotelterrasse „Manöverkritik“.

Sonntag, 11.11.2007
Treffen mit Martin am Congo Cross. Dann Luft „gesucht“ für die Autoreifen. Dazu muß man quer durch die Stadt, unterwegs im Zentrum wird noch schnell Geld getauscht. Lange Wartezeiten im Stau, dann aber zügig nach Kent. Mit dem Boot nach Banana Island. Dort baden alle und machen einen Inselrundgang durch die unberührte Natur. Mit dem vollbeladenen Boot wieder ans Festland. In einem kleinen Restaurant gibt es Fisch mit Reis und Salat. Das ist recht gut. Anschließend gehen einige in der stärker gewordenen Brandung baden. In der Dämmerung auf den Rückweg. Dieser ist eine einzige Katastrophe. Der Fahrer hält sich an keine Geschwindigkeitsbeschränkung, hupt die Massen von Fußgängern im Dunkeln beiseite, und in der Stadt gibt es nur noch Stop and Go mit Gehupe und Abgasgestank. Grausam.
Spät zu Hause läßt man den Abend auf der Terrasse ausklingen.

Montag, 12.11.2007
Nach dem Frühstück wollen sich die Berliner über die Arbeitsbedingungen mehrerer Metallfirmen informieren. Aufgesucht werden:
Dannel Construction and Metalwork (8 MA und 6 Trainees)
Crado Workshop (Metallverwertung: Kocher aus alten Eimern)
Sismak Metalworks
Eine kleine Schlosserei (seit einem Jahr) (4 MA und „viele“ Trainees)
Karosseriebauer
Der Manager der ersten führt durch die anderen Firmen.
Alle geben an, dass sie ausbilden.
Am Nachmittag wird das mitgebrachte Brunnenbohrgestänge vorgeführt.
Ein Radio- und ein Zeitungsreporter kommen zu einem Interview mit den Jugendlichen aus Berlin.
Dann geht es nach Hause. Unterwegs noch kurz Einkaufen. Um 19:00h sind alle zurück im Hotel.

Dienstag, 13.11.2008
Vereinbarung mit Melvin Kamara, daß die Jugendlichen aus Berlin bei Finic für das Grundgestell einer Reismühle eine Schweißvorrichtung entwerfen. Diese soll dann morgen gemeinsam gebaut werden.
Inzwischen hat sich das Solar-Team um die Solaranlage gekümmert.
Um die Anzahl der bei Finic verbleibenden PCs ist ein Streit ausgebrochen, nachdem aus Berlin telefonisch bestätigt wurde, dass die als fehlend festgestellten PCs in Berlin vergessen worden sind. Eine frustrierende Diskussion.
Später im Hotel kommt noch ein PC-Experte, der beim Aufbau eines Internet-Cafés helfen soll. Auch Mohammed Salia erscheint noch. Lange Diskussion bis 23:15h.

Mittwoch, 14.11.2007
Alle sind bei Finic II, um die Schweißvorrichtung in Angriff zu nehmen. Beim Sägen stellen die Berliner fest, dass das Sägeblatt falsch herum eingebaut ist. Dies wird als Notbehelf erst einmal geändert. Später ist auch der Grund dafür klar: Der Motor war falsch angeschlossen und lief falsch herum. Die entsprechende Änderung muß Melvin veranlassen.
Die Teile für den Grundrahmen werden gesägt und vorbildlich sauber geheftet. Die weitere Vorgehensweise wird mit Melvin und Paul (dem Ausbilder) besprochen. 19:00h Feierabend auf der Hotel-Terrasse…

Donnerstag, 15.11.2007
Wecken um 5:30h, es ist ein ganz besonderer Tag. Um 6:15h zum Treffpunkt mit Melvin Kamara und einigen seiner Mitarbeiter vor dem Nationalstadion. Kurz vor 7:00h ist die Gruppe im noch ziemlich leeren Stadion, wo heute die Inaugurationsfeier für den neugewählten Präsidenten Komora stattfinden wird. Gegen 12:00h ist das Stadion voll, aber es kommen immer noch Menschen von überall her. Eine Militärkapelle spielt am anderen Ende, wo die Berliner sind, ist jedoch nichts davon zu hören. Die Leute unterhalten sich selbst. Um 13:00h geht die Feier los. Es werden zwei Gebete gesprochen (christlich und muslimisch). Der Präsident fährt auf einem Pickup, begleitet von Fußvolk, zwei Ehrenrunden durch das Stadion. Es gibt Vorführungen von sogenannten „Comedians“, Soldaten der drei Waffengattungen treten an, die Kapelle marschiert und spielt. Das ist es dann auch schon. Die Tore, die dem Ansturm der Menschen ohnehin nicht mehr standhalten, werden geöffnet, und die Massen strömen in das Rund. In der Nähe beginnen in der Menge Schubsereien, und mehrmals wird ein Mensch einfach über die Brüstung in den Sicherheitsgang geworfen. Eine ganze Reihe Menschen erleiden unter der großen Hitze einen Schwächeanfall. Die Sanitäter haben gut zu tun. Es ist aber auch kaum auszuhalten in der prallen Sonne.
Abgang, aber es ist schwierig rauszukommen, weil immer noch Menschen reinwollen. Gegen 14:00h sind alle wieder im Hotel und fix und fertig…

Freitag, 16.11.2007
Früh um 6:30h Abfahrt zu Finic II. Von dort geht es mit der gesamten Finic-Mannschaft und dem Bohrgestänge weiter zu Finic III, wo der Brunnenbau als Gemeinschaftsprojekt der Jugendlichen stattfinden soll. Der erste Versuch muß wegen unvorhergesehener Schwierigkeiten beim Bohren vorerst unterbrochen werden. Der zweite Versuch, als reine Showvorführung angelegt, klappt aber. Zwischendurch werden von den Berlinern Spaghetti mit Soße gekocht und um 17:00h gibt es auch noch afrikanisches Essen.
Um 20:30h sind alle wieder im Hotel, - nach eineinhalb Stunden Stau in der City in den bestialischen Abgasen.

Sonnabend, 17.11.2007
Zum Frühstück ist Bischof Simbo da, etwas später kommt auch endlich der lang erwartete Peter als Nachzügler aus Berlin mit seiner Frau. Wir fahren mit unserem Minibus in die City, dann über Waterloo, Russel und York zum Strand Nr. 2. Die Landschaft ist wunderbar. In einer Schilfhütte gibt es ausgesprochen guten Fisch (Barracuda). Das Baden kommt etwas zu kurz, da die Zeit schon fortgeschritten ist. Beim Dunkelwerden geht es auf direktem Weg über Goderich und Lumley zurück nach Freetown. Die Strecke ist kürzer, aber großenteils sehr schlecht. Ab Goderich ist wieder dichter Verkehr. Plötzlich bricht ein richtiger Gewittersturm los. Die offene Kanalisation läuft über, die Straßen sind teilweise zu reißenden Bächen geworden. 20:30h wieder im Hotel. Nachtruhe um 21:45h.

Sonntag, 18.11.2007
Teilnahme an einem besonderen Jugendgottesdienst. Dieser dauert drei Stunden und ist sehr ungewohnt. Sehr amerikanisch, aber die FUBC (Free United Brotherhood Church) kommt natürlich, wie die meisten Kirchen hier, aus den USA. Es geht sehr locker zu, nur der Gospelchor ist richtig chic gemacht.
Im Hotel gibt es noch eine kurze Absprache für die nächsten Tage, dann sind alle im Bett.

Montag, 19.11.2007
Der Fahrer von Bischof Simbo zeigt einigen seine Kirche in der Nähe von Finic I. Zu dem kleinen Anwesen gehört eine Schule. Es findet gerade Unterricht statt. Die Kinder scheinen ca. 7 Jahre alt und kriegen sich über den Besuch aus Berlin gar nicht wieder ein vor Begeisterung. Auch hier würden Nähmaschinen benötigt.
Dann zu Finic III. Das Hindernis, das beim ersten Versuch des Brunnenbohrens zur Aufgabe gezwungen hatte, wird überwunden. Einwandfrei wird eine Tiefe von 5,5m erreicht. Bis dahin gab es aber noch kein Wasser. Es muß also noch weiter gebohrt werden, was jedoch heute nicht mehr zu schaffen ist. Kurz nach 16:00h geht es heimwärts, erst zu Finic II und dann zum Hotel.
In der ganzen Stadt ist das Benzin rationiert, es soll eine Preiserhöhung durchgesetzt werden.
Die zweite, größere Gruppe mit Melvin Kamara ist bereits um 6:30h mit dem YOOW-Minibus nach Kamakwie gestartet und noch immer unterwegs.

Dienstag, 20.11.2007
Das Kamakwie-Team ist noch nicht wieder da. Austausch im Hotel mit dem LKW-Fahrer und dem Teamleiter der englischen Rotarier-Gruppe über das, was Rotary und YOOW hier so machen.
Das Kamakwie-Team kommt ca. um 20:00h ziemlich abgekämpft zurück. Bei Finic III gab es mal wieder Streit, diesmal um die Fotovoltaik-Anlage, die Melvin dort behalten wollte, um Handys aufladen zu können. Sie war - in Abstimmung mit Melvin - für Kamakwie vorgesehen gewesen. In Kamakwie sind Nähmaschinen angekommen und auch in Nutzung. Die zugesagte Metallwerkstatt (Werkstatt-Container aus Berlin) steht auch noch bei Finic III).

Mittwoch, 21.11.2007
Nach dem Frühstück zieht ein Kamera-Team zu Mohammed Salia, um Interviews mit Mikrokreditnehmer Innen zu machen. Der Rest macht einen faulen Tag.
Dann kommt die Meldung, dass der geplante nachmittägliche Berufsschulbesuch hier am Congo Cross ausfällt, die Schulleitung habe keine Zeit… Abends Freizeit.

Donnerstag, 22.11.2007
In der staatlichen Berufsschule wartet Melvin Kamara auf die YOOW-Leute, die vom Direktor Mr. Josef T. Cole und einigen Ausbildern begrüßt werden. Die Konstruktions-, Metall-, Holz- und Computer-Ausbildung wird besichtigt. Überall mangelt es an Ersatzteilen: An einer Bandsäge ist das Band gerissen. Sie können keinen Ersatz auftreiben (die Kanadische Herstellerfirma existiert nicht mehr) und die für die erforderliche Reparatur notwendige Induktions-Schweißmaschine ist ebenfalls kaputt…).
Danach Besuch bei der GTZ, deren Einrichtung vom YOOW-Kontaktmann und zwei Kompagnons betrieben wird. Die Ausbildung in Motoren- und Fahrzeug-Wartung ist um Welten besser als man bisher kennen gelernt hat… Die Büros sind in hellen klimatisierten Containern untergebracht.
Um 19:00h gehen alle in den Atlantic-Club in Lumley („Deutschland-Treffen“).

Freitag, 23.11.2007
Früh mit zwei Autos (B. Simbo) kurz nach 10:00h zu Finic I. Dort gibt es wieder frustrierende Diskussionen um die Computer. Warten auf der Straße im Auto in der Sonnenglut. Mr. Melville, der Fahrer, sollte heute ausgezahlt werden. Er ist sehr ungehalten, weil er sein Geld noch nicht bekommen hat. Erst um 13:00h ist eine Einigung mit den PCs erreicht und auch klar, dass Melvin Kamara den Fahrer auszahlt. Einige fahren zu Finic II und holen von dort die vereinbarten PCs ab und bringen sie zur GTZ in „Sicherheit“. Da heute das Hovercraft verunglückt ist, muß die Gruppe jetzt mit der Fähre fahren. Die Überfahrt geht glatt, aber das Anlegemanöver läuft bei schönstem Wetter und glatter See vollkommen schief. Beinahe hätte der Captain das Schiff sogar noch auf Sand gesetzt. Nach einer Stunde gelingt das Manöver aber und die Fahrt kann auf guter Straße nach Lungi flott  fortgesetzt. Dort verabschieden sich Billy Simbo und Peter, Der Check-In für den Flug nach London beginnt um 19:00h, die Maschine startet um 22:30h. Der Flug verläuft ruhig.

Sonnabend, 24.11.2007
Ankunft in London-Gatwick. Mit dem Zug zum South-Terminal. Einchecken für den Flug nach Berlin
Abflug um 8:25h mit Easy Jet. Ankunft in Berlin um 11:15h. Das Wetter ist sonnig, aber sehr kühl.

Fazit der Reise:
Die Ausbildung bei Finic entspricht noch nicht den Erwartungen. Diesbezüglich müssen Forderungen gestellt werden. In der staatlichen Berufsschule fehlt es eigentlich an Allem, besonders aber an Geld.
Klare Zielvorgaben sind erforderlich. Ausbildung ist genau so wichtig wie die Lieferung von Gerätschaften. Beides zusammen kann nachhaltige Hilfe bewirken.

 

 

 

 

Gespräch mit Gerhard Dewitz, einem Teilnehmer der Begegnung

Was waren die wichtigsten Erfahrungen während des Austausches?
Mir fiel besonders die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen auf. Trotz der unglaublichen Armut war man gastfreundlich und neugierig und aufgeschlossen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Menschen in Apathie verfallen, sondern mir fiel auf, dass sie das tagtägliche Überleben mit den verbundenen, oft schwer zu bewältigenden, Schwierigkeiten immer wieder mit nicht nachlassender Energie angingen. Das tagtägliche Überleben konzentriert sich nicht nur auf die Erwachsenen, sondern auch den Kindern wird dabei vieles abverlangt. Die Schule ist für viele nicht erschwinglich, da das Geld dazu fehlt. In den 3 Wochen ist mir bewusst geworden, dass die Probleme, die wir in Deutschland haben, im Vergleich zu den Problemen in Sierra Leone lächerlich sind.

Wie hast Du die Zusammenarbeit erlebt?
Beim Brunnenbau haben Auszubildende der Fa. FINIC- Freetown und Auszubildende von uns zusammengearbeitet. Es war manchmal nicht einfach, unseren Gästestatus mit dem Auftrag gemeinsamer praktischer Zusammenarbeit auf einen Nenner zu bringen. Als Gäste wurden wir häufig geschont, waren bestenfalls Anleiter. Besonders fiel mir die hohe Lernbereitschaft der Sierra-Leonischen Auszubildenden auf.

Was nimmst Du persönlich aus dem Austauschprojekt mit?
Ein neues Zeitverhältnis. Als Deutscher musste ich lernen, dass Zeit in Afrika eine ganz andere Bedeutung hat als bei uns. Ein afrikanisches Sprichwort bringt es auf den Punkt: ,,Ihr Europäer habt die Uhr, wir Afrikaner haben die Zeit". Mir ist dieser Zeitbegriff manchmal sympathisch, manchmal nervig und Gott sei Dank hier nicht übertragbar.

Das schöne Land: Sierra Leone hat wunderbare Strände, ist durchgehend grün und hat viel Wasser. Sierra Leone könnte ein reiches Land sein, denn es gibt viele Bodenschätze, aber das Problem von Sierra Leone ist die Korruption, insbesondere der gebildeten politischen Eliten.
Die Zusammenarbeit und das Zusammenleben in der Gruppe waren gut. Wir haben die Möglichkeiten, die man uns bot, um Land und Leute kennen zu lernen, genutzt. Wir haben in der Gruppe unsere unterschiedlichen Wahrnehmungen und Bilder ausgetauscht und diskutiert. Wir haben dabei auch Aspekte der Entwicklungspolitik und Entwicklungsarbeit angesprochen. Meiner Meinung nach muss Entwicklungshilfe wesentlich kontrollierter nach dem  Motto ,,Fördern und Fordern" ablaufen.

Mit meiner Familie und Freunden habe ich nach der Rückkehr in Deutschland viel über meine nun veränderte Sicht auf Afrika, die unterschiedlichen Kulturen, aber auch über mein neues Verständnis, dem Elend zu entfliehen, diskutiert. Der verzweifelte Mut, auf kleinsten,  meist nicht seetüchtigen Booten Europa erreichen zu wollen, ist mir jetzt vollkommen verständlich. Wie viel Verzweiflung muss da sein, wenn man seine Familie, sein Land, seine Kultur aufgibt, um das (meistens nur scheinbare) Glück in der Fremde zu suchen?  Ich werde mich deshalb in meinem Land für diese Menschen einsetzen und noch stärker gegen Rassismus und Gewalt kämpfen. Meine weitere Mitarbeit im Projekt „Jung und Alt für eine Welt“ ist nach dieser Begegnung ein wichtiger Lebensschwerpunkt geworden.

 

 


YOOW-Hilfen in Afrika

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Mazylis